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Hej ,

Diese Mail sollte eine kurze Ankündigung eines besonderen Konzertes werden. Das wird sie auch. Aber nicht nur …

Die Künstler:innen Anne Wilhelm und Andreas Garn öffnen ihr Atelier, die Zweigstelle für Bilder auf dem Veilchenweg 1 in Dresden-Loschwitz für ein besonderes Solokonzert von mir. Und gestalten den ohnehin schon schönen Raum sogar exklusiv für den Abend um. Es wird ein intimes Konzert ganz ohne Verstärkung und dazu gibt’s noch eine Premiere: Ich werde nicht nur singen, sondern auch einige Shakespeare-Sonette in ihrer deutschen Übersetzung rezitieren. 400 Jahre alte englische Gedichte sind nicht leicht zu verstehen, selbst wenn man des Englischen mächtig ist. Daher gefiel mir die Idee von Anne und Andreas und ich freue mich, die unglaubliche, zeitlose Schönheit der Sonette noch mehr Menschen nahezubringen.

Sa, 8. November, 20:00
Hallam London: Shakespeare in der Zweigstelle – Akustisches Solokonzert
Zweigstelle für Bilder
Veilchenweg 1, Dresden-Loschwitz
Eintritt: 10 EUR (nur Abendkasse)

Der Raum ist klein, es gibt nur ca. 40 Plätze! Ich reserviere aber gern für Dich: Antworte einfach auf diese Mail.

Und was soll jetzt dieser Satz am Anfang?

Ich bin seit halb vier wach. Es war eine Stubenfliege, die mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt hat. Keine Meldung wert – außer dass ich nicht wieder einschlafen konnte, denn: Meine Gedanken begannen, sich um diesen Newsletter zu drehen – und es fühlte sich falsch an, fröhlich ein Konzert anzukündigen. Weil unser Regierungschef – mal wieder – widerlichsten Rassismus abgesondert hat. Er hat ein Problem mit «unserem» Stadtbild: Er meint damit Menschen. Menschen die nicht so weiß sind wie er. Möchte der kleine Fritz aus den 1950er Jahren abgeholt werden (ich fürchte nicht)? Und wohin soll’s gehen? In die 1930er? Als sei das noch nicht genug, legt er nach und schiebt (natürlich weiß-deutsche) Töchter vor. Ja, Frauen müssen in dieser Gesellschaft ständig auf der Hut sein – vor Männern! Nicht vor Hautfarben oder Kopftüchern. Oft vor Männern in der eigenen Familie, Partnern oder Ex-Partnern. Vor Männern wie Friedrich Schmerz, dem die Rechte von Frauen sonst vollkommen egal sind. Schutz vor Vergewaltigung in der Ehe? Nix da. Das Recht über den eigenen Körper zu bestimmen? Wäre ja noch schöner. Femizide endlich zu einem eigenen Straftatbestand machen? Nicht mit ihm. Ausgewogene Geschlechterrepräsentation in der Regierung? Not on his watch.

Der mehrfache Millionär, der im Privatjet durch die Gegend fliegt, als Hedgefond-Dulli alle ausbeutet, die weniger Geld und weniger starke Ellbogen haben: Er tritt auch in seiner jetzigen Position nur nach unten: Gegen Menschen, die sowieso schon entscheiden müssen ob sie heizen oder essen und gegen alle, die nicht seinem armseligen sauerländischen «Welt»bild entsprechen. Superreiche dürfen sich währenddessen weiter mit legalen Tricks bedürftig rechnen um keine Steuern zu zahlen und (vor allem weiße «bio-deutsche») Männer weiter durchs Land marodieren und weiblich gelesene, migrantisierte und queere Menschen bedrohen.

Sündenböcke zur Ablenkung statt Lösungssuche für die drängenden Probleme unserer Zeit. Die CDU/CSU serviert den Faschisten die Demokratie auf dem Silbertablett.

Aber natürlich werde ich trotzdem mein Konzert spielen. Auch weil queere Menschen, ebenso wie arme und migrantisierte, in dieser Regierung zur Zielscheibe werden. Queere Menschen wie ich, wie William Shakespeare (dessen Sonette zum überwiegenden Teil an einen schönen jungen Mann gerichtet sind), wie Ian Badcoe (dej sind non-binär). Und ich freue mich, wenn Du kommst!

Liebe Grüße vom Hallam.